Mein
Statement Ich
bin als Kind von mehreren Personen missbraucht worden, die immer Vertrauenspersonen
waren. Allein diese Tatsache, macht meine Missbräuche für viele
Menschen unglaubwürdig. Es ist in der heutigen Zeit immer noch schwierig,
Menschen zu finden, die es ernst nehmen, wenn man ihnen sagt, dass man missbraucht
worden ist. Wenn sie es glauben, ist es jedoch schwer oder unmöglich
ihnen begreiflich zumachen, dass man heute noch unter den Folgeschäden leidet.
Es ist jedoch nur so schwer, weil zu wenig Aufklärungsarbeit geleistet wird.
Hiermit spreche ich die Medien an, die immer nur dann berichten, wenn mal
wieder etwas passiert ist. Wenn berichtet wird, dann passiert dieses immer
nur sensationell und punktuell. Über viele gesellschaftliche Probleme
wird Aufklärungsarbeit geleistet. Dokumentarfilme werden gezeigt und es man
diskutiert, wie man etwas verändern oder verhindern kann. Was
aber ist mit dem Problem des Missbrauchs und das auf der ganzen Welt? Denn
was wir erleben (erlebten) ist Zores (Not Bedrängnis Kaos). Wie viele von
uns wurden getötet oder waren nicht lebensfähig und haben den Freitod
gewählt? Selbst ich habe zwei Selbstmordversuche hinter mir, die jedoch
Gott sei gedankt fehlgeschlagen sind. Wie viele von uns nehmen Drogen, schaffen
den Ausstieg nicht und sterben einen Tot auf Raten? Wie viele prostituieren
sich, bekommen Aids und sterben ebenso auf Raten? Im Nachhinein kann man nicht
mehr feststellen, warum einer in den Freitod ging oder warum er an Drogen
starb. Es liegt im Bereich des möglichen, das jeder Zweite ein Missbrauchsopfer
war. Wie viele sollen noch sterben, weil sie nicht lebensfähig sind, durch
das mangelnde Angebot gezielter effizienter Hilfe?
Wo ist unsere Aufklärungsarbeit,
wo können wir diese Hilfe bekommen? Wo ist das Marktangebot, wo werden
wir ernstgenommen und wo finden wir Gerechtigkeit? Entscheidet
sich ein Opfer zu einer Anzeige, wird es vom Gericht noch einmal zum Opfer gemacht.
In den meisten Fällen werden die Täter freigesprochen oder bekommen
Bewährung. (Wird ein Mörder direkt wieder auf freien Fuß gesetzt,
wenn er gemordet hat, oder bekommt er nicht auch erst mal eine Gefängnisstrafe?)
Das wiederum hat zur Folge, dass die Opfer erst gar nicht anzeigen und die
Täter fleißig weitermachen können. Das Thema Missbrauch ist
immer noch so tabu, dass die meisten Menschen Angst haben, sich damit auseinander
zu setzen, und somit wieder die Opfer Angst haben, an die Öffentlichkeit
zu gehen (Angst vor Ächtung). Würden sich die Medien mit dem Thema Missbrauch
mit mehr Engagement auseinandersetzen, wäre schon viel für uns gewonnen.
Unter Auseinandersetzen verstehe ich, immer wieder zu berichten und zu diskutieren
über Missbrauch, seine Folgen, welche Lücken in unseren Gesetzen bestehen,
wie wir sie verändern können, und über die Betreuung der Opfer,
sodass sie wieder ein einigermaßen normales Leben führen können.
Ich
habe mehrere Selbstmordversuche hinter mir. Als ich diese jedoch begangen habe,
hatte ich meine Missbräuche so verdrängt, dass sie nur im Unterbewusstsein
vorhanden waren. Da sie aus meinem direkten Gedächtnis verschwunden waren,
konnte ich an dieser Thematik gar nicht arbeiten, und damit die Selbstmordversuche
auch nicht verhindern. Den meisten ist es gar nicht bewusst, dass sie Missbrauchte
sind. Im Alter von 36 Jahren kam diese Thematik nach und nach hoch.
Die zufällige Therapie ergab sich so: Ich gab meinen Sohn zum Schutz
vor Misshandlung durch meinen Exmann ins Heim. Dadurch kam ich an meinen Psychologen,
der dort arbeitete. Dieser Therapeut arbeitete ganz anders, als es üblich
ist. Das heißt, wenn akute Situationen waren, bekam ich sofort einen Termin
am gleichen Tag. Zusammen mit meinem Therapeuten bearbeitete ich das Erlebte,
um die Gründe herauszufinden, die mein Unwohlsein verursachten. Durch
diese Ermittlung lernte ich es, immer öfter selbst herauszufinden, warum
ich mich nicht wohl fühlte, sodass ich immer öfter für ähnliche
Situationen keinen Therapeuten mehr brauchte. Es kommt auch heute noch vor,
dass ich durch Folgeschäden wieder in Situationen komme, in der ich therapeutische
Hilfe brauche. Doch jetzt ist es sehr schwer, da mein Therapeut verzogen ist,
und er für mich somit nicht mehr zur Verfügung steht. Dadurch habe ich
die Erfahrung gemacht, das mein Therapeut die Ausnahme der Regel war. Nach einem
Zusammenbruch vor kurzer Zeit bekam ich das erstemal seit sieben Jahren Psychopharmaka
statt Therapie. Nach zwei Wochen habe ich das Medikament abgesetzt, weil ich an
der Ursache arbeite und dies nicht von Medikamenten unterdrückt werden darf.
Denn die Einnahme von Medikamenten kann ja nicht die Lösung zur Bewältigung
der Probleme sein. Mein Engagement ist es, diese Zustände zu verändern.
Meine Schritte bewegen sich dahin, zu enttabuisieren, nicht mehr nur sensationell
oder punktuell zu berichten, sondern vernünftige Aufklärungsarbeit zu
leisten. |